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Dschungelfieber

 Wir lassen Battambang hinter uns und machen uns mit dem Nachtbus auf Richtung Koh Kong, einer Stadt ganz im Südosten von Kambodscha, an der Grenze zu Thailand. Dieses Mal wählen wir die Bus-Variante mit Doppelbetten, wobei der Platz für zwei Leute recht schmal bemessen ist und wir froh sind, unsere Schlafnachbarn zu kennen. Dies wird die bislang bequemste Nachtfahrt mit Schlaf und etwas ähnlichem wie Erholung.

 

Unser nächstes Ziel liegt zwischen Phnom Penh und Koh Kong, mitten im Nirgendwo. Dort gibt es ein kleines Dorf namens Chi Phat, es liegt an den Ausläufern des Kardamom-Gebriges am gleichnamigen Fluss Chi Phat.

 

Eine zweistündige Bootsfahrt durch den Dschungel führt uns in das Dorf, das größer ist, als ich es mir vorgestellt hatte.

Vor einigen Jahren noch haben die Menschen dort hauptsächlich vom Jagen, Fischen und Holzschlag gelebt. Um die Natur dort nicht weiter zu zerstören, ihren eigenen Lebensraum zu erhalten und den Menschen eine andere zuverlässige Einnahmequelle zu bieten, wurde ein Öko-Tourismus-Projekt gegründet, das Reisenden eine Unterkunft bei einer der dort ansässigen Familien vermittelt und gleichzeitig verschiedenste Touren in und um den Dschungel anbietet.

 Das Besucherzentrum ist Dreh- und Angelpunkt des Projektes. Dort müssen wir uns anmelden und werden anschließend von unserem Gastgeber abgeholt.

 

Das Holzhaus unserer Gastfamilie ist im traditionellen Khmer-Stil gebaut, der uns in Kambodscha immer wieder begegnen wird. Sie halten Hunde, Katzen, Schweine, Hühner und Enten als weiteres Standbein für die Versorgung der Familie. Jorne freundet sich gleich mit einem der Söhne an. Endlich wieder ein Spielkamerad, um Fussball zu spielen.

 

Die Angebote des Besucherzentrums sind nicht die richtigen für uns. Ich fühle mich dort auch sehr eingeschränkt in meiner eigenen Entscheidung und Bewegungsfreiheit. Alles wird organisiert, alle Touren sind geführt, es gibt keine Kinderräder. Am ersten Abend essen wir dort, aber auch das fühlt sich angestrengt an.

 

 

Zum Glück finden wir einen alternativen Anlaufpunkt in Chi Phat; die Familie rund um die „Cardamom Cottages“.

Sie betreiben neben verschiedenen Unterkünften ein kleines Restaurant, einen Tante-Emma-Laden und einen Fahrradverleih mit normalen Rädern, auch für Kinder.

Wir sind die neuen Stammgäste.

 

Unsere Gastgeberin kocht wundervoll, alles ist frisch, aromatisch und sehr lecker. Auch hier finden die Kinder eine Freundin, die mit ihnen spielt und tobt, ein Energiebündel, die sich durchzusetzen weiß. Ihre Eltern legen großen Wert darauf, dass sie Englisch lernt, um gut gerüstet zu sein für ihre Zukunft.

 

Überhaupt ist die ganze Familie sehr umtriebig, fleißig, sehr freundlich und bemüht. Ab und zu ist auch der Onkel da, übernimmt die Kinder kurzzeitig und würzt die Suppe nach, um dann wieder in seinem Friseursalon – einer kleinen offenen Bretterbude mit Spiegel auf der gegenüber liegenden Straßenseite – zu verschwinden.  

 

 

Schmetterlingsinsel und Waschtag-Atmosphäre

 

Unsere erste "Expedition" führt uns durch den Ort, an frei laufenden Kühen und Wasserbüffeln vorbei, zur Schmetterlingsinsel, die ihrem Namen alle Ehre macht. Über eine Hängebrücke betreten wir die kleine Insel im Fluss, der jetzt zur Trockenzeit sehr wenig Wasser führt. Immer wieder sehen wir große bunte Schmetterlinge und Libellen, beobachten rote Waldameisen, die ihren Bau in zusammen geklebten und zurecht geschnittenen Blättern eingerichtet haben, picknicken und gehen im Fluss baden. Wir baden mit unseren Kleidern, so wie die Khmer oftmals selbst, um nicht respektlos zu erscheinen. Vor allem die Frauen baden angezogen, für die Jungen und Männer scheint diese Regel nicht zu gelten.

 

Von der Insel aus ist es ein Leichtes, den Fluss zu überqueren und am anderen Ufer entlang flussaufwärts zu gehen. Weiter oben sehen wir einige Frauen mit einem Stall voll kreischender Kinder, die im Fluss baden, während sie die Wäsche waschen. Von Weitem beobachte ich die Szene, die Kinder gehen noch einmal schwimmen

 

Ein junger Mann und eine ältere Frau kommen an den Fluss, um sowohl ihre Wäsche als auch sich selbst zu waschen. Zuerst die Kleider, dann der Mensch. Alles findet am Fluss statt.

 

 

Dschungeltour per Rad

 

 Mit den Rädern wollen wir am nächsten Tag ein wenig die Gegend rund um Chi Phat erkunden, ohne Guide und Gruppe, brauchen wir doch mit den Kindern unseren eigenen Rhythmus und mehr Zeit, damit der Ausflug für alle ein schönes Erlebnis wird. Die feuchte Hitze setzt uns anfangs ziemlich zu, daran gewöhnen können wir uns nicht wirklich. Wir treffen auf eine Wandergruppe, die zu einem Wasserfall wandert, um dort dann die Nacht in Hängematten zu verbringen. Der Koch, der sie begleitet, hat viel Gepäck zu schleppen, an dem er schwer trägt.

Wasserfall klingt gut, also machen wir uns auch auf den Weg dorthin.

 

Die Straße führt uns an Feldern, Hütten und einer Grundschule vorbei, immer tiefer in den Dschungel. Je weiter wie fahren desto mehr verwandelt sich die Straße in eine holperige und schmale Piste, die nur noch für Zweiräder befahrbar ist. Wir sind auf dem Weg zu einem Wasserfall, Schilder oder Wegweiser gibt es nicht, aber auch wenige Abzweigungen. Einen alten Mann fragen wir, der uns weiter winkt, immer gerade aus, dem Weg folgend. Als wir an einen kleinen Laden kommen, sind wir sehr sicher, auf dem richtigen Weg zu sein. Hier legen wir eine kurze Verschnaufpause im Schatten ein.

Kurz nach dem kleinen Geschäft erreichen wir eine Schranke aus Bambus. Wegezoll. Wer hier mit einem Zweirad durchfahren und die Brücke überqueren möchte, wird zur Kasse gebeten.

Kinder sind kostenlos.

Diese lustige Skurrilität ist der letzte Beweis, wir sind auf dem richtigen Weg.

 

Der Wasserfall, zu dem wir kurze Zeit später hinunter klettern, ist trotz des wenigen Wassers, das er in der Trockenzeit führt, sehr beeindruckend und lädt nach der anstrengende Fahrt zu einem abkühlenden Bad ein. Die Landschaft ist wunderschön, die Geräusche sind unbekannt und fremdartig.

Wir treffen die Fahrradgruppe, die mit ihrem Guide morgens kurz vor uns losgefahren ist, und augenscheinlich die gleiche Tour fährt wie wir.

 

Auf unserem Rückweg dürfen wir die Schranke unbehelligt passieren.

An diesem Abend wartet ein Festessen in der Kardamom Cottage auf uns, das wir uns redlich verdient haben.

 

Nachdem wir unseren neuen Lieblingsplatz gefunden haben, ist die Zeit in Chi Phat fast zu kurz. Trotzdem verlassen wir das Dorf nach vier Tagen wieder, mit Wehmut und dem Gefühl, einen guten Ort hinter uns zu lassen.

 



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