· 

Karpen - Pa Emer

Die nächsten zehn Tage bin ich noch einmal mit den Kindern alleine unterwegs in Albanien. 

Weil der Verkehr in den Städten hier recht herausfordernd für mich ist, und Stadtbesichtigungen für Kinder meist recht langweilig sind, habe ich mich entschieden, Tirana für dieses Mal zu überspringen. Ich möchte gleich nach Durrës, der zweitgrößten Stadt von Albanien. 

Doch noch auf der Autobahn, die hier in Albanien anders funktioniert als bei uns, biege ich nicht Richtung Stadtzentrum ab, sondern folge einem Schild, dessen Aufschrift ich als „Strand“ interpretiere. Meine Idee ist, eine Unterkunft zu suchen, die etwas außerhalb der Stadt liegt.

 

 

Doch was wir vorfinden ist alles andere als einladend. Es gibt eine Hauptstraße, die zweispurig parallel zum Strand verläuft, links und rechts zugebaut mit Hotels und Geschäften, laut, quirlig, aber doch nicht wirklich einladend. Die Straße ist endlos, wir entfernen uns immer weiter von Durrës, was den Kindern sehr gut gefällt. Sie haben keine Lust auf Stadt, sie wollen weiterfahren.

Also fahre ich. 

 

An einem Supermarkt füllen wir unsere Bestände wieder auf, sodass wir, wenn nötig, auch irgenwo in der Natur stehen könnten ohne zu verhungern und zu verdursten. In Albanien ist es geduldet, sich außerhalb von Campingplätzen einen Stellplatz zu suchen, ganz im Gegensatz zu Kroatien. Aber nach wie vor bin ich ein Fan von regelmäßigen heißen Duschen und normalen Toiletten. 

 

Irgendwann kommt tatsächlich ein Campingplatzschild. Camping Paemer, nächste Ausfahrt. Ich fahre ab - und stehe vor einer Baustelle. Die Straße, die in den Ort führen würde, ist einfach nicht mehr da. Stattdessen steht dort eine Absperrung, das wars. Ich folge einer anderen Straße, nur um in der nächsten Sackgasse zu landen. Es gibt keine Umleitung, wir stecken in der Falle. Der einzige Ausweg führt zurück über die Ausfahrt, und zwar im Rückwärtsgang. Mein Verstand sagt mir, dass das nicht sein kann, dass es einen anderen Weg geben muss, aber er hat Unrecht.

Zum Glück habe ich inzwischen schon die Erfahrung gemacht, dass die Autbahn in Albanien anders befahren wird als bei uns. Es geht langsamer zu, man fährt auch einfach mal an den Rand, um eine Pause zu machen. Es gibt ganz normale Abfahrten, es gibt aber auch einige Geschäfte und Cafés direkt an der Autobahn. Obst, Gemüse und gegrillte Maiskolben werden an der Straße verkauft. Auch die Leute aus den Dörfern stellen sich an den Fahrbahnrand und warten auf die Minibusse, die sie dort einsammeln und an ihr Ziel bringen.

 

Während ich noch mit meinem Verstand ringe, sammeln sich an der Ausfahrt Leute, die auf einen solchen Bus warten. Sie sehen mich und unseren Bus etwas irritiert an. Ich sehe sicher auch nicht sonderlich glücklich aus. Direkt an der Ecke ist eine kleine Firma, deren Besitzer ich anspreche. Ob er weiß, wie ich zum Campingplatz komme. Er bestätigt meine Befürchtungen. Auf italienisch erklärt er mir, dass ich auf der Autobahn weiterfahren muss, zweite Abfahrt, dann die Parallelstraße zurück, links ab, dann bin ich schon fast da. Er hilft mir, rückwärts aufzufahren, freut sich über meine Erleichterung und winkt uns zum Abschied nach.

 

Die Abfahrt finde ich, nur um wieder auf gesperrte Straßen zu treffen, aber ich fahre weiter, orientiere mich so gut es geht, frage immer wieder und nähere mich im Schneckentempo unserem Ziel. Innerhalb der Orte hängen viele Leitungen kreuz und quer über den Straßen. Ich fahre sehr langsam und hoffe, dass wir niedrig genug sind , um darunter durch zu fahren ohne eine abzureißen. Uns kommen Eselkarren entgegen, Pferde und Schafe stehen am Straßenrand und grasen. Die Leute, die wir passieren winken und grüßen freundlich.

 

Die Straße ist erstaunlich gut. Erst kurz vor unserem Ziel wird es wieder holprig. Wir schaukeln den letzten Kilometer über eine ziemlich mitgenommene Schotterpiste, dann sind wir da.

Uns erwarten Palmen, kleine Wege, die die verschiedenen Terassen miteinander verbinden, ein Spielplatz und eine kleine Insel im Meer, die über einen Steg erreichbar ist. Wir werden sehr freundlich empfangen, dürfen uns einen Platz aussuchen wo wir wollen.

Es sieht sehr wenig nach Albanien aus, eher karibisch.

Die Sonne scheint, es ist warm, allmählich entspanne ich mich.

Hier verstecken wir uns einge Tage vor dem richtigen Albanien, bevor wir weiterfahren.

 

Viel unternehmen können wir hier nicht, alles ist sehr übersichtlich, wenn man das Auto stehenlassen will. Es gibt die Insel, die die Besitzer des Campingplatzes gebaut haben. Wir besuchen sie morgens zum Frühstücken und abends zum Sonnenuntergang-Genießen. Richtung Dorf könnten wir gehen, was wir nicht machen, weil wir für die Tage haben was wir brauchen.

 

Dann führt noch ein Feldweg in die hinter uns gelegenen Hügel. Wir folgen ihm und kommen auf eine kleine Ebene, die Teil eines ehemaligen Militärgeländes ist. Sie grenzt an die „Erdfälle“, wie die Kinder diese Gebilde aus Erde nennen, die uns hier begegnen. Von Weitem sieht es aus, als würde Erde den Berg hinabfließen, von Nahem betrachtet besteht der „Erdfall“ aus kleinen Hubbeln, die den ganzen Hang bedecken. Die Erde ist weich, an manchen Stellen haben sich Tiere einen Unterschlupf hinein gegraben.

Eine seltsame Landschaft, in der wir uns hier befinden.

 

Weiter kommen wir hier nicht, also drehen wir um und gehen am schmalen Strand entlang. Die steil abfallenden Hänge sind zum Teil schon etwas abgerutscht, zum Teil sehen sie so aus, als würde dies spätestens beim nächsten Regen passieren. Wir kehren endgültig um, als uns der Weg von solch einem Erdrutsch versperrt ist und entscheiden uns, lieber in aller Ruhe den Sonnenuntergang zu genießen.

 

Nach drei Tagen in diesem kleinen und überschaubaren Paradies fühle ich mich wieder erholt genug, um mich weiter mit den Kinder in Albanien herumzutreiben. Unser nächstes Ziel wird Berat sein, die Stadt der tausend Fenster.

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Clemens (Montag, 26 Dezember 2016 17:17)

    Frohe Weihnachten euch!
    Hoffe ihr habt ein nettes Plätzchen für die Tage gefunden!
    Aber ich sehe ja an Deinem Blog, dass es viele nette Plätze auf der Welt gibt...

    Liebe Grüße
    Clemens