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Kroatien im Schnelldurchlauf

Zwölf Tage Kroatien.

Unser Bus schaukelt uns über die Küstenstraßen, wir fahren von Ort zu Ort, bleiben ein oder zwei Nächte, fahren weiter.

 

Auch hier ist die Saison vorbei, Läden sind geschlossen und die Orte außerhalb der Touristenzentren gehören wieder sich selbst.  

 

Es ist, als hätte jemand den Lauf der Zeit verlangsamt. Alles ist ruhig, fast verschlafen. Selbst die Menschen scheinen sich langsamer zu bewegen. Kein wilder Trubel, keine Massen, die sich auf der Promenade entlang schieben, in den Bars am Strand läuft die laute Musik nur noch für die einsame Bedienung und ihre zwei Gäste.

 

Wir erkunden die Orte und ihre Umgebung zu Fuß, suchen uns Plätze, die uns gefallen, gehen mehrfach dieselben Wege und erschaffen uns so kleine bekannte Blasen, eine Art Mini-Heimat.

 

In Selce zum Beispiel, einem sehr sympatischen Küstenort gegenüber der Insel Krk. Er empfängt uns mit Herbststürmen, Regen, Kälte. Und doch ist er so einladend, dass wir entscheiden, ein paar Tage zu bleiben.

Am Ende des Strandes entdecken wir einen Trampelpfad, der direkt an der steil abfallenden Küste entlang führt. Wir folgen ihm, durch einen Wald - immer wieder der Blick auf das Meer unter uns - bis wir zu einer kleinen Bucht kommen. Völlig verlassen, weißer Kieselstrand, türkisfarbenes, ganz klares Wasser, wie wir es überall in Kroatien finden werden.

Wind, Wasser, Wellen, das Geräusch der Kiesel bei jedem Wellenschlag.

Sitzen und Lauschen.

Zur Ruhe kommen.

Ankommen.

 

 

Wir besuchen Split, verbringen dort ein paar Stunden in der Altstadt, schlendern durch die kleinen Gassen und genießen den Trubel.

Hier verändert sich der Takt nicht grundlegend. Die Stadt scheint ihre gewachsene Struktur zu haben, die mit den Besuchermengen gut zurecht kommt – zumindest jetzt im Herbst. Es gibt neben den typischen Touristen-Lokalen auch normale Cafés und Geschäfte.  Und ein Alltagsleben auf den Straßen.  

Eine entspannte Stadt, um einfach dort zu sein.

 

Ganz anders Dubrovnik.

Die Menge der Menschen, die sich durch die Altstadt schiebt, ist alles andere als angenehm. Es gehört zu den Must-Sees, jedes Kreuzfahrtschiff hält hier an und überflutet die Stadt für einige Stunden mit seinen Passagieren.

Die Stadt selbst ist auf ihre Art beeindruckend. Von der Zerstörungen des Krieges ist nicht mehr viel zu sehen. Einige Einschusslöcher an den Wänden sind die wenigen verbliebenen Zeugen des Jugoslavienkrieges. Alles andere ist wieder aufgebaut. 

Trotzdem ist der Besuch von Dubrovnik ernüchternd. Alles ist auf die Touristenmassen eingestellt;

die Geschäfte, die Bars, die Souvenir-Läden, vor allem die Preise.

Kaum etwas, das nicht wie eine Kulisse wirkt.

Auch hier finden wir ruhigere Ecken, am kleinen Hafen und in den etwas entfernteren Gassen der Stadt. Aber die Besonderheit der Stadt will sich nicht entfalten. Zu viel Gewicht liegt auf dem Profit, zu wenig auf der Bedeutung und Geschichte des Ortes.

 

Kroatien - ein schönes Land mit freundlichen Menschen, tollen Landschaften, traumhaftem Wasser - und doch ist es mir noch zu vertraut, zu nah am Bekannten. 

 

Hier fühlt sich unser Unterwegs-Sein mehr nach Urlaub und weniger nach Reise an. Wir sehen verschiedene Orte, bekommen eine leise Ahnung vom Leben der Menschen hier, haben hier und da Gespräche mit Einheimischen, die uns einen kleinen Einblick gewähren in ihre Welt, in ihren Alltag, aber noch fehlt der richtige Zugang, der richtige Kontakt.

Wir arbeiten daran.


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Kommentare: 2
  • #1

    marco (Mittwoch, 09 November 2016 16:45)

    hallo ihr vier,
    seit heute habe ich die adresse von irenes blog... und hab jetzt gleich alles nachgeholt.
    klasse!!!
    wir waren heute im schwarzwald (bei oberachern) ... und in der höhe lag bereits schnee.
    ciao und machts mirë (das ist albanisch!!!)
    marco

  • #2

    Irene (Mittwoch, 09 November 2016 20:19)

    Hallo Marco,
    schön von Euch zu lesen!
    Ich hoffe, Ihr habt den Schnee genossen. Ich bin ganz froh über die schneefreie Zeit,
    nächstes Jahr wieder.
    Mein albanisches Lieblingswort ist "Faleminderit" - Danke.
    Lasst es Euch gutgehen!!

    Liebe Grüße, auch an Deine Frauen!
    Irene