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Am Meer

 Inzwischen sind wir am Meer angekommen.

In Lido di Jesolo sind wir gelandet, nicht weit von Cavallino entfernt. Ein guter Ausgangspunkt für einen Besuch in Venedig, wenn man Stadt mit Strand verbinden will.

Wir lassen Venedig dieses Mal aus und beobachten statt dessen, wie der Ort in den Winterschlaf fällt.

 

So voller Leben sie im Sommer sind, mit all ihren Bars, Pizzerien und Gelaterias, so öde und leer werden diese Urlaubs-Paradiese zum Ende der warmen Zeit. Viele Geschäfte sind schon geschlossen oder bereiten sich darauf vor. 

 

 Alles wird abgebaut und winterfest gemacht.

Gestern war das Heer an Sonnenschirmen noch da, heute sind schon fast alle verschwunden. Sogar die Wege, die von der Promenade zum Strand hinunter führten, wurden heute abgebaut.

Jetzt gehört der Strand wieder sich selbst.

Und den letzten versprengten Strandbesuchern.

 

Bis zum nächsten Sommer.

 

Auch hier wird es Herbst. Zwar kann man, wenn die Sonne scheint, noch baden, aber nachts kühlt es merklich ab. Woran erkennt man nun die Urlauber?

Während die Einheimischen mit Winterjacken, langen Hosen und Schals unterwegs sind, liegen diese noch im Bikini am Strand und wagen ab und zu ein - inzwischen deutlich kühleres - Bad im Meer.

 

Wir nutzen unsere Zeit, um zum ersten Mal mit den Rädern die Gegend zu erkunden. Nach Cortellazzo, einem Fischerdorf neben Lido die Jesolo, fahren wir am Strand entlang. Dort mündet die Piave ins Mittelmeer und es gibt einen Kanal, der unsere Weg noch kreuzen wird und uns während der Fahrt zum Verhängnis werden sollte.

 

Von Cortellazzo fahren wir ein Stück am Fluss entlang und sehen große trichterförmige Netze, die vom Ufer aus ins Wasser gelassen werden.

 

Unsere Tour geht weiter durch Felder und Wiesen. Wir fahren an Orten vorbei, die ihre besten Zeiten schon hinter sich haben, an einem schönen alten Wasserwerk - und an einer Pizzeria, die uns gerade gelegen kommt. Nur dass man in Italien normalerweise nicht mittags Essen geht. Abends dürfen wir gerne wieder kommen, dann brennt das Feuer im Pizzaofen, aber so lange können wir nicht warten. Wir wollen zurückfahren.

 

Ich wähle einen schönen Schotterweg am Kanal entlang, der uns an Schilfrohrfeldern und verfallenen Bauernhäusern vorbeiführt und immer wieder den Blick auf den Kanal öffnet. Langsam nähern wir uns Cortellazzo, wir können es von unserer Seite des Ufers schon sehen. Und - es gibt keine Brücke!

 

Wir müssen weiter am Kanal entlangfahren. Die Kinder sind müde und hungrig und sehr tapfer.

Der Pfad führt uns vom Wasser weg durch einen lichten Wald. An einem Abzweig können wir in der Ferne das Meer sehen. Wir haben es geschafft! Wenn wir am Strand entlang Richtung Cortellazzo fahren, sind wir schon fast wieder "Zuhause".

 

Wieder habe ich mich geirrt. 

Wir haben ungewollt die Laguna del Mort gefunden. Dazu gehört ein eigentümlicher Strand, mit Steinen, Treibholz und einigen selbst gebauten Hütten. Man fühlt sich fast wie ein Gestrandeter nach einem Schiffbruch.

Und ein wenig sind wir das ja auch...

 

Von hier aus fahren wir die ganze Strecke zurück - mit weiteren, nicht eingeplanten Umwegen durch gut gemeinte Wegbeschreibungen einiger Menschen, die unseren ansonsten recht einsamen Weg kreuzen.

 

Das Spannende an dieser Fahrradtour ist, dass wir die schönsten Orte nur deshalb gesehen haben,

weil wir uns verfahren haben.

Weil es nicht nach Plan lief.

Und wir das Beste aus der Situation gemacht haben. 

 

Die Kinder haben die ganze Strecke gut mitgemacht und konnten auch noch ihre Freude an den Wegen finden, als sie schon sehr erschöpft waren. Nachdem Beide eine große Portion Nudeln mit Pesto im Bauch hatten, wichen die Strapazen des Tages dem Stolz, die ganze Strecke aus eigener Kraft geschafft zu haben.

Zurecht!

 

Wann hast du das letzte Mal eine solche Erfahrung gemacht?

 



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Kommentare: 1
  • #1

    annessa (Montag, 10 Oktober 2016 10:25)

    Hallo Irene,
    erinnerst du dich an unsere Nekartour? Als wir für die Rückfahrt mit dem Schiff nicht mehr genug Geld dabei hatten, weil wir zuviel für´s Essen ausgegeben hatten?
    Aber wir haben dadurch keine unbekannte "Perlen" entdeckt :((.
    Viel Freude weiterhin für euch alle und ganz liebe Grüße von Daheim.