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Tirana

Tirana - der Hauptstadt Albaniens - räumen wir nur einen Tag ein, um zumindest einen kleinen Eindruck von ihr zu erhaschen. Es gibt einige Großbaustellen und Neubauten, die Stadt brummt von Verkehr und Betriebsamkeit, wenn uns auch erzählt wird, dass nur wenige von den Veränderungen und Projekten profitieren. Ohne gute Beziehungen bleibt man erfolg- und auftragslos. Auch hier ist die Arbeitslosenrate sehr hoch, die Menschen ohne Perspektiven oder Alternativen.

Die bestehenden Plattenbauten, die das Stadtbild in weiten Teilen prägen, wurden zum Teil mit Farbe aufgepeppt, um dem Dauer-Grau den Kampf anzusagen, wie wir es auch schon in Elbasan gesehen haben. Dieser Trend hat wohl in Tirana begonnen und wurde von verschiedenen Städten Albaniens übernommen. Farbe als sichtbarer Hoffnungsschimmer.

 

 

Die Straßen sind weihnachtlich geschmückt. Schleifen an den Straßenlaternen, Lichterketten an den Bäumen und über die Straßen gespannt. Etwas surreal wirkt es, zwischen den Lichterkugeln, die den Park erleuchten, alte ausgediente Bunker zu sehen, die wie Pilzköpfe aus dem Boden ragen. Auch hier begegnen sie uns immer wieder, verstreut in der ganzen Stadt.

Wir kommen am Bunker-Museum vorbei, in der die Geschichte der Regime-Opfer beleuchtet wird. Gerne würde ich mir das ansehen, aber mit den Kindern macht das keinen Sinn. Zu schrecklich sind die Geschehnisse, die dort ihren Raum haben, um nicht in Vergessenheit zu geraten.

 

Also streunen wir weiter durch die Stadt, vorbei an weiteren Bunkern, zur Pyramide, dem ehemaligen Enver-Hoxha-Museum, das nun leer steht und derzeit auch nicht mehr als Kulturzentrum genutzt wird.

Vor der Pyramide steht die Friedensglocke. Sie erinnert an die Toten von 1997, als im Land Massenproteste ausbrachen und sich ein bürgerkriegsähnlicher Zustand in ganz Albanien ausbreitete. Auslöser war der Zusammenbruch der Pyramidensysteme, wodurch viele ihre ganzen Ersparnisse verloren.

Das Metall für die Glocke kommt von tausenden Patronenhülsen, die dafür eingeschmolzen wurden.

 

Langsam wird es dunkel in Tirana. Bevor wir mit dem Bus wieder zu unserer Unterkunft zurück fahren - eingezwängt zwischen einer Masse an Menschen, die, wie wir, in die Außenbezirke wollen - besuchen wir Tiranas Vergnügungspark. Und wieder sind wir einsame Gäste, die Boxauto fahren und alleine im Karussell unsere Runden drehen.

Eine eigentümliche Atmosphäre, die mich in Tirana erfasst.



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