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Mit dem Rad durch die Dörfer

Unsere erste Erkundungstour machen wir mit dem Fahrrad. Die Berge scheinen nah zu sein, also halten wir darauf zu. Ein Junge aus dem nächst gelegenen Dorf begleitet uns ein Stück mit seinem Fahrrad und führt uns stolz seine Fahrradklingel vor, die Sirenengeräusche von sich gibt.

Irgendwann bleibt er zurück und sieht uns nach, wie wir uns weiter auf dem Weg entlangkämpfen.

 

Wir durchfahren einige kleine Dörfchen, kommen an Bars vorbei – erkennbar nur daran, dass einige Holztische und Stühle davor stehen. Hier sitzen nur Männer, die uns verwundert hinterher schauen. Einige Kinder, denen wir begegnen, winken und rufen uns nach, auch andere grüßen uns freundlich. Die Menschen sind auf eine unaufdringliche Art und Weise sehr offen und interessiert, das wird schon auf dieser ersten Fahrt sehr deutlich.  

 

Direkt in die Berge kommen wir nicht, weil wir keinen Weg dorthin finden. Die Straße führt uns am Fuß der Berge entlang, immer weiter in Richtung Shkodra, der Stadt, die das Zentrum hier bildet. Für heute ist dieses Ziel zu weit, wir kehren um.

An der Hauptstraße fahren wir zurück, die von allen Gefährten genutzt wird, die hier herumfahren. Vom normalen LKW und Auto, über den Pferde- und Eselskarren, bis zum Transportrad. Die LKWs halten großen Abstand zu uns, was mich sehr erleichtert.

 

Abends gehen wir in das nächst gelegene Restaurant, in dem wir mit Hilfe eines anderen Gastes, der ein wenig englisch spricht, unser Essen bestellen. Ich bestelle etwas typisch albanisches, von dem mir versichert wird, es sei ganz besonders lecker.

Es beginnt nach gebratenem Fleisch zu riechen, als es plötzlich dunkel wird. Stromausfall. Dies kommt immer wieder vor, alle, bis auf uns, sind daran gewöhnt und warten geduldig. Nach einer Weile geht das Licht wieder an und der Betrieb läuft weiter als sei nichts gewesen.

 

Kurze Zeit später kommt unser Essen. Als der Tisch gefüllt ist, bleibt ein Teller übrig, den wir nicht zuordnen können, also mein Essen. Die Nicht-Vegetarier haben hier einen eindeutigen Vorteil. Fleisch und Kartoffeln, meist in Form von Pommes, gibt es immer und schmeckt meist sehr gut.

Mein Essen sieht aus wie ein Kuchen, in Stücke geschnitten, ist aber salzig und mit einer sauermilchartigen Flüssigkeit getränkt. Obendrauf sind Fetakäse-Stückchen verteilt. Das ganze wird warm serviert. Es schmeckt ungewohnt aber ganz lecker.

 

Als wir fast aufgegessen haben, kommt unsere Bedienung mit einem Topf voller für mich nicht weiter definierbarem Brei. Ich hatte mich geirrt. Was ich gegessen hatte, war das Brot, das wir bestellt hatten und für uns alle bestimmt war. Nun kommt erst mein Essen. Der Brei ist salzig, aber ansonsten geschmacklos, getränkt mit viel Olivenöl und im Ofen gebacken. Ich tue mein Bestes, um niemandem zu nahe zu treten, und esse soviel ich kann, aber mehr als die Hälfte schaffe ich nicht, auch weil der Genuss sich für meinen Gaumen in engen Grenzen hält.

Als sie abräumt, nimmt sie alles mit – bis auf die halb volle Schale Brei, und sie lässt sie eisern stehen bis wir uns verabschieden und gehen.

Der Rückweg führt durch die Dunkelheit zurück zum Campingplatz. Straßenbeleuchtung ist auf den Dörfern eher mager, vor allem abseits der Hauptwege.

 

Einige Tage später gehen wir dort noch einmal essen und machen auf dem Rückweg Bekanntschaft mit einem der Wachhunde, die es hier in großer Zahl gibt. Die meisten sind angekettet, damit sie zwar Alarm schlagen, wenn sich jemand nähert, aber nicht angreifen können.

Dieser hat sich losgerissen und stürmt sehr motiviert und aggressiv auf uns zu. Wir haben weder eine Taschenlampe griffbereit noch einen Stock zur Hand, um ihn in Schach zu halten, aber alle bleiben ruhig, bis er sich zurück zieht.

Ich bin immer wieder beeindruckt davon, wie ruhig die Kinder in solchen Momenten bleiben.

Ruhe bewahren und Glück haben ist eines unserer Erfolgsrezepte.

 



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